Ferienbeginn in Thüringen: Familienorganisationen warnen vor hohen Zahlen junger Menschen ohne Schulabschluss und fordern Entlastungen der Familien
Erfurt, 03. Juli 2026. Für viele Familien beginnt jetzt die schönste Zeit des Jahres – Erholung, Urlaub, gemeinsame Zeit. Für andere beginnt die Frage, wie es weitergehen soll. Zum Beginn der Sommerferien in Thüringen mahnt der Arbeitskreis Thüringer Familienorganisationen (AKF e.V.), die weiterhin hohe Zahl von Schülerinnen und Schülern ohne Schulabschluss nicht aus dem Blick zu verlieren.
Aktuelle Auswertungen der Thüringer Schulstatistik zeigen, dass zuletzt bis zu 11,9 Prozent der Jugendlichen die Schule ohne anerkannten Abschluss verlassen haben. Damit bleibt die Quote auf einem besorgniserregend hohen Niveau.
„Gerade zum Ferienbeginn wird sichtbar, wie unterschiedlich die Perspektiven junger Menschen in Thüringen sind“, erklärt der Vorstand des AKF e.V. „Während viele Jugendliche nach den Ferien ihren weiteren Bildungsweg beginnen, erreichen andere keinen Schulabschluss.
Familien berichten, dass anhaltende Unterrichtsausfälle – insbesondere in prüfungsrelevanten Fächern wie Mathematik – dazu geführt haben, dass Unterrichtsinhalte je nach Schule nicht vollständig vermittelt werden konnten. Nach Auffassung des AKF verschlechtert dies insbesondere bei zentralen Abschlussprüfungen die Chancen vieler junger Menschen auf einen erfolgreichen Schulabschluss.
Familien tragen die Folgen
„Hinter jeder Statistik steht ein junger Mensch und eine Familie, die über Jahre versucht, Lernrückstände und fehlende Unterstützung auszugleichen", so der AKF. Die Folgen tragen häufig die Familien und langfristig die ganze Gesellschaft:
- eingeschränkte Ausbildungs- und Beschäftigungschancen,
- höhere Risiken von Arbeitslosigkeit und sozialer Abhängigkeit,
- finanzielle Belastungen durch zusätzliche Förder- und Unterstützungsangebote,
- psychische Belastungen und Zukunftsängste innerhalb der Familien.
„Hinter jeder Statistik steht ein junger Mensch und eine Familie, die über Jahre versucht, Lernrückstände und fehlende Unterstützung auszugleichen“, so der AKF.
Strukturelle Probleme bestehen fort
Nach Einschätzung von Bildungsforschung und Bildungsverwaltung haben die Folgen der Corona-Pandemie bestehende Probleme verschärft. Lehrkräftemangel, Unterrichtsausfälle, psychosoziale Herausforderungen sowie unzureichende individuelle Förderung treffen insbesondere sozial benachteiligte Familien. Der AKF warnt: Die Rückkehr zu zentralen Abschlussprüfungen wirkt sich dort besonders nachteilig aus, wo prüfungsrelevante Unterrichtsinhalte aufgrund von Unterrichtsausfällen nicht vollständig vermittelt werden konnten.
Der Arbeitskreis Thüringer Familienorganisationen e.V. warnt davor, die Verantwortung überwiegend den Familien zu überlassen. „Wer Bildungsarmut wirksam bekämpfen will, muss früh fördern, Schulen stärken und Familien besser begleiten.“
Familienorganisationen fordern Sofortmaßnahmen gegen Bildungsarmut
Die Thüringer Familienverbände fordern von der Landespolitik vor allem drei Dinge, die bereits für die nächsten Schulabgängerinnen greifen müssen: frühe Förderung gefährdeter Kinder, verlässlich ausgestattete Schulen und niedrigschwellige Beratung für Familien. Zum Beispiel:
- frühzeitige Förderung gefährdeter Kinder und Jugendlicher und deren Familien,
- verbindliche Diagnostik grundlegender Kompetenzen,
- wirksame Nachholförderung für Kinder mit Lernrückständen
- den Ausbau von Schulsozialarbeit und multiprofessionellen Teams,
- eine verlässliche personelle Ausstattung der Schulen,
- niedrigschwellige Beratungsangebote für Familien,
- eine engere Zusammenarbeit von Schule, Jugendhilfe und Familienberatung,
- die Möglichkeit dezentraler Schulabschlussprüfungen, wenn erhebliche Unterrichtsausfälle die Vermittlung
- prüfungsrelevanter Inhalte beeinträchtigt haben.
„Familien sind keine Ausfallbürgen für ein überlastetes Bildungssystem. Solange Schulen nicht verlässlich funktionieren, tragen Eltern und Kinder die Folgen – still und oft unsichtbar. Der AKF fordert: Diese Last muss endlich politisch sichtbar werden und konsequent angegangen werden", erklärt der AKF e.V. abschließend.